Was macht eigentlich ein Flüchtlingskoordinator?

Geflüchteten Menschen ein Zuhause zu geben, gehört seit einigen Jahren zu den Aufgaben von Wohnungsunternehmen. Um dieser wichtigen Aufgabe gerecht zu werden, hat die hwg einen Mitarbeiter speziell schulen lassen: Seit zehn Jahren ist Arne Giersz-Okoniewski als Bestandkundenbetreuer tätig, seit drei Jahren ist er darüber hinaus Flüchtlingskoordinator. Denn einfach nur eine Wohnung vermieten – damit ist es auch hier nicht getan.

Herr Giersz-Okoniewski, was macht überhaupt ein Flüchtlingskoordinator?

Ein Flüchtlingskoordinator prüft die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten und schaut hierbei in erster Linie auf die persönlichen Verhältnisse der Menschen: Aus welchem Land kommt der Geflüchtete? Wie viele Menschen müssen gemeinsam untergebracht werden? Kann die Wohnung direkt vermietet werden oder ist die Anmietung zum Beispiel durch die Stadt notwendig, weil der Status noch ungeklärt ist? Das sind einige der Fragen, die geklärt werden müssen. Als Flüchtlingskoordinator habe ich besonderes Hintergrundwissen, um den rechtlichen, aber auch den persönlichen Anforderungen gerecht zu werden. Das ist auch wichtig, um auf Augenhöhe mit den Kommunen und anderen Institutionen sprechen zu können.

Wie sind die Erfahrungen der letzten Jahre?

Durchweg positiv. Viele der Menschen, die bei uns ein Zuhause gefunden haben, haben sich sehr schnell und gut in die verschiedenen Hausgemeinschaften eingefunden. Manchmal bin ich überrascht, wie gut jemand bereits Deutsch spricht, auch wenn er erst seit zwei Jahren hier ist. Unsere Mieter und Mitglieder haben auch sehr großen Anteil an dieser positiven Entwicklung. Ich weiß von Ehrenamtlichen aus unseren Siedlungen, die zum Beispiel bei Hausaufgaben oder Anträgen unterstützen. Natürlich gibt es auch den ein oder anderen Fall, bei dem es Probleme gab. Aber die gibt es in allen Hausgemeinschaften hin und wieder.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Auch hier haben wir wirklich gute Erfahrungen gemacht. Wenn die Stadt eine Wohnung für Geflüchtete anmietet, haben wir immer einen Ansprechpartner, der auch immer erreichbar ist. Seitens der Stadt Hattingen und dem Verein HAZ Arbeit + Zukunft ist man immer bemüht, Hürden und Probleme umgehend zu beseitigen. Auch bei Sprachbarrieren bekommen wir immer Unterstützung.

Was hat Sie bei der Arbeit als Flüchtlingskoordinator besonders beeindruckt?

Was viele dieser Menschen für einen Weg hinter sich haben, welche Schicksale zum Teil dahinterstehen, das berührt mich immer wieder. Unbegleitete Minderjährige, die hier ohne irgendetwas ankommen. Wie sie das geschafft haben – für mich unvorstellbar. Und trotz dieser Schicksale bringen uns diese Menschen immer wieder eine große Gastfreundlichkeit entgegen, sind fröhlich und dankbar. Erstaunlich auch, wie schnell sich gerade Kinder integrieren und Teil der Gemeinschaft werden. Auf der anderen Seite beeindruckt mich aber auch, wie viele Menschen helfen wollen und es auch machen. Hier im Büro gab es direkt zu Beginn meiner Tätigkeit eine ganz tolle Sammelaktion initiiert durch Kollegen.