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1899 bis 1945

Am 5. Februar 1899 kommen 49 Hattinger zusammen, um die Spar- und Baugenossenschaft des evangelischen Arbeiter- und Bürgervereins zu Hattingen eGmbH zu gründen. Erklärtes Ziel ist die Linderung der Wohnungsnot und die Bereitstellung von menschenwürdigem Wohnraum. Und der Zuspruch ist enorm: Bereits Ende des Jahres zählt die Genossenschaft 86 Mitglieder und 55 Wohneinheiten in 13 Häusern. Mit dem Konjunkturaufschwung und der Expansion der Henrichshütte wächst die Nachfrage weiter. In den Jahren 1905/06 wird infolge dessen das erste Großprojekt mit der Errichtung von 21 Neubauten am Hattinger Rosenberg realisiert.

Doch die Genossenschaft, inzwischen 123 Mitglieder stark, bleibt im Folgenden nicht von den verheerenden Auswirkungen des Ersten Weltkriegs verschont. Rohstoffverknappung und finanzielle Engpässe führen zum Stillstand, zeitweise muss der Geschäftsbetrieb eingestellt werden. Im August 1922 steht die Genossenschaft sogar vor dem Aus. Der gesamte Grundbesitz wird verkauft und Gelderlöse fallen der Inflation zum Opfer. Bis 1926 existiert die Genossenschaft nur noch auf dem Papier. Erst mit dem Eintritt neuer Mitglieder aus freien christlichen Gewerkschaften beginnt man, wieder auf alte Stärken zu bauen: Unterstützt vom Staat entstehen bis 1931 insgesamt 187 neue Wohneinheiten, der Mitgliederstamm wächst auf beachtliche 450. Dennoch: Die Weltwirtschaftskrise prägt in den kommenden Jahren auch den Industriestandort Hattingen.

Nach 1933 wird die freie Arbeit und Selbstverwaltung der Genossenschaft ebenso wie jene aller liberal-demokratischen Vereinigungen konsequent von den Nationalsozialisten unterwandert. Nachdem alle Führungspersonen durch Gesinnungstreue ausgetauscht worden sind, gipfelt die Vereinheitlichung 1942 im Zusammenschluss aller drei ansässigen Baugenossenschaften zur Hattinger Wohnstättengenossenschaft. Der Zweite Weltkrieg und die Nazi-Diktatur hinterlassen ihr ein schweres Erbe: Viele Wohnungen sind durch Luftangriffe zerstört oder schwer beschädigt, Einwohner und Flüchtlinge haben kein Dach über dem Kopf. Wie ganz Deutschland beginnt auch Hattingen von vorn.